05 Jan. Die kälteste Zeit des Jahres: Xiao Han nach dem chinesischen Bauernkalender
Heute beginnt nach dem traditionellen chinesischen Kalender eine besondere Phase: xiao han. Der Name bedeutet wörtlich übersetzt „kleine Kälte“ (小寒 , xiǎo hán) – doch diese Bezeichnung täuscht gewaltig. Denn obwohl nach xiao han noch ein weiterer Solarterm folgt, nämlich da han („große Kälte“), gilt xiao han tatsächlich als die meteorologisch kälteste Zeit des gesamten Jahres.
Warum gerade jetzt?
In der chinesischen Tradition heißt es, dass die dritte Neun-Tage-Periode nach der Wintersonnenwende die frostigste Zeit bringt – und genau diese fällt in xiao han. Die alten Weisheiten haben durchaus ihre Berechtigung: Eisige Temperaturen und scharfe Winde machen uns jetzt besonders zu schaffen.
Traditionelle Bräuche gegen die Kälte
Überall im Land hat man eigene Strategien entwickelt, um die Kälte kulinarisch zu vertreiben. Die Bewohner von Nanjing schwören auf einen herzhaften Gemüsereis: Klebreis wird dabei zusammen mit frischem Grüngemüse, Fleischprodukten wie Wurst oder Ente und einer guten Portion Ingwer zu einem nahrhaften Wintergericht gekocht. Im südlichen Guangdong setzt man ebenfalls auf Klebreis, allerdings in einer besonderen Mischung – man kombiniert ihn mit gewöhnlichem Reis im Verhältnis 3:2, damit er nicht zu klebrig wird, und verfeinert das Ganze mit klein gehacktem Trockenfleisch, knusprigen Erdnüssen und frischen Frühlingszwiebeln.
Was bedeutet das für unsere Gesundheit?
Nach der chinesischen Medizin kann die „kalte Energie“ leicht in unseren Körper eindringen und unsere wärmende Yang-Energie schwächen. Die Folgen können vielfältig sein: von Gelenkschmerzen über Erkältungen bis hin zu Kreislaufproblemen. Ein altes chinesisches Sprichwort besagt, dass wer sich während dieser dritten Neun-Tage-Periode gut pflegt, im kommenden Jahr keine Schmerzen haben wird.
Praktische Tipps für den Alltag
Richtig kleiden: Mütze, Schal, Handschuhe und warme Socken sind jetzt unverzichtbar. Besonders wichtig ist es, Kopf und Füße warm zu halten.
Wärmende Ernährung: Ganz klar – Suppen und Eintöpfe ganz traditionell, gerne mit Lamm- oder Rindfleisch, angereichert mit wärmenden Gewürzen wie Ingwer, Zimt oder Fenchel, sind ideal. Auch Kürbis, Süßkartoffeln, Maronen, Knoblauch und Walnüsse gelten als besonders empfehlenswert.
Fußbäder: Ein warmes Fußbad am Abend, eventuell mit Ingwer oder anderen wärmenden Kräutern, hilft nicht nur beim Aufwärmen, sondern verbessert auch den Schlaf. Apropos: für guten Schlaf auch gerne mal ein Lavendel-Fußbad. Das nur am Rande.
Kräutertees: Abends nach der Arbeit sollte man sich mit einem wärmenden Tee aus Zimt, Sternanis oder Fenchel von innen aufwärmen. Das tut gut!
Bewegung trotz Kälte
So paradox es klingen mag: Auch wenn wir uns vor der Kälte schützen sollten, ist es wichtig, das Immunsystem durch maßvolle Kälteexposition zu trainieren. Tägliche Spaziergänge an der frischen Luft oder sanfte Outdoor-Aktivitäten wie Qigong stärken die körpereigene Abwehr und helfen dem Organismus, sich an niedrige Temperaturen anzupassen.
Die kalte Jahreszeit mag herausfordernd sein, doch mit den richtigen Strategien lässt sie sich gut meistern – ganz im Sinne der alten chinesischen Weisheit, im Einklang mit den Jahreszeiten zu leben.
In diesem Sinne, alles Gute für Ihre Gesundheit auch während der kalten Jahreszeit. Ihre Sabine Schmitz
Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin und Akupunktur in Köln